Rahmen

Auf dem höchsten Punkt des Hochschulgeländes von Otaniemi, eingebettet zwischen Kiefern und Birken, liegt die Waldkapelle von Heikki und Kaija Siren. Die Kapelle von Otaniemi dient beiden Konfessionen. Die Anlage ist auf einer einfachen räumlichen Konzeption aufgebaut. Zwei Wände aus rohem Klinker in Nord-Süd-Richtung spannen einen Hof auf und bilden die seitlichen Abschlüsse der kleinen Kirche. Der eingezäunte Vorplatz vermittelt zwischen der unberührten Waldlandschaft und dem gedrungenen Eingangsbereich, welcher den Übergang zum Hauptraum der Kapelle bildet.

 

Wirkung

Ein helles Licht kündigt den lichtdurchfluteten Kirchensaal bereits bei dessen Eingang an. Es wird schnell klar, dass es sich hier nicht um eine alte, düstere Kirche handelt und doch bleibt beim Betreten der Schwelle verborgen, wie das Licht in den Raum gelangt. Erst nach einer Kopfdrehung öffnet sich der Blick auf ein transluzentes Oberlicht, welches sich aber nicht schlank und hoch wie seine gotischen Vorgänger in der Wand abzeichnet, sondern die gesamte Rückwand des Saals einnimmt.

Ein Sockel aus rohem, massivem Klinker an Wänden und Boden umschliesst den Raum wie eine raue Haut. Das kalte, harte Material lässt die Schritte widerhallen, im Streiflicht sorgen die tiefen Fugen für eine beinahe textile Wirkung der Umhüllung. In Richtung des Altars senkt sich das Dach aus hellem, roh belassenem Holz, welches von einem filigranen Fachwerk getragen wird. Das Dach und seine Konstruktion fokussieren die asymmetrisch platzierte Öffnungen hinter dem Altar, die scheinbar nahtlos in den dahinterliegende Wald übergeht. Die feindgliedrigen Stahlmöbel in Kombination mit Glaseinsätzen verschwinden im Gegenlicht dieses Fensters beinahe. Das Weihwasser scheint in der Luft zu schweben und die Grenzen zwischen Innen und Aussen werden verwischt.

 

Statt eines glazvollen und unbeweglichen Gemäldes hinter dem Altar gewährt die Glaswand, den Blick auf die Schönheit und Vergänglichkeit der Natur, während ein strahlend weisses Kreuz als Symbol für das Göttliche das dunkle Kleid der Bäume kontrastiert und jeder Witterung trotzt. Fast wird die Orgel übersehen, welche sich in die Ecke neben dem Altar schmiegt und sich nur durch die sanft glänzenden Pfeifen vom dunkel geräucherten Holz dahinter abhebt. Zwar sorgt die Ausrichtung des Altarfensters nach Norden dafür, dass aus dieser Richtung kein Licht direkt in den Raum fällt, das Kreuz im Aussenraum aber steht stets von der Sonne inszeniert im Fokus und die dunkle Holztäfelung samt Orgel tritt im Gegenlicht in den Hintergrund.

Waldkapelle in Otaniemi,

Finnland, Otaniemi; 1956;

Heikki Siren und Kaija Siren

Modul:

Dozent:

Team:

Semester:

Raumgestalt

Lando Rossmaier

Luc Kummer

Tobias Lutz

Jasmin Mohammadi

Carlos Craveiro Reisinho

Bela Zwygart

6. Semester, Frühling 19

Jasmin

Mohammadi