Rahmen

Eingebettet zwischen dem saftigen Grün von Palmen und Büschen liegt die Casa Butantã im brasilianischen São Paulo. Unweit des rohen Betonbaus befindet sich sein Zwilling, welcher von Paulo Mendes da Rocha für seine Schwester entworfen wurde. Förmlich über dem Boden schwebend, nur auf vier Stützen gelagert, thront das Gebäude auf einer Erhebung über dem Rio Pinheiros. Ein gedeckter Aussenraum unter dem Bauvolumen vermittelt zwischen Strasse und Haus und lässt den öffentlichen Raum bis in die fragil wirkende Betonstruktur greifen. Die Idee einer subtilen Abstufung von öffentlichem zu privatem Raum spiegelt sich in der gesamten Grundrissdisposition wider, welche sich innerhalb eines einzigen Geschosses abwickelt. Zwiebelartig werden die Räume zum Zentrum des Hauses hin intimer, ohne jemals als komplett geschlossene Zellen aufzutreten. Alle Wände, selbst diejenigen der Toiletten, enden wenige Zentimeter unter der alles überspannenden Betondecke. 

Wirkung

Ein leichtes Vibrieren der Kupferleitung kündigt die Erfrischung an. Das Wasser prasselt aus der Brause an der Decke auf die blank polierten Wände in strahlendem Weiss. Nur die an einem dünnen Kabel hängende Glühbirne lässt im gedämpften Licht die Schemen des gerippten Betonfirmaments erkennen, welches sich über den Wänden bis in unendliche Weiten zu erstrecken scheint. In einer Nische – ausgeschält aus der perfekt ebenmässigen Hülle – liegen Seife und Bürste. Das Beiseiteschieben des Duschvorhangs öffnet die Kapsel zu einem grösseren Raum indem der roh geschalte Beton omnipräsent ist. Der Ausgang der Dusche ist schmal, niedrig und erfordert eine geduckte Haltung, um hindurch zu gelangen. Das makellose Weiss findet sich in Form einer Ablage mit Waschbecken wieder, das von dunklen Metallarmaturen kontrastiert wird. Auf einer gläsernen Ablage stehen Hygieneartikel neben Reinigungsutensilien.

Die abgewetzten Holzdielen knarren unter den Füssen, aus dem Spiegel blickt das Ebenbild des Betrachters auf die Wassertropfen auf dessen Silhouette, welche im Zenitallicht schimmern. Durch eine kleine Verglasung in der Decke scheint die Mittagssonne erbarmungslos ins Innere und lässt für einen Augenblick den Raum im gleissenden Licht Verschwinden. Ein Handtuch hängt über der Wasserleitung bereit, welches sich während des Duschens erwärmt hat. Dünne Lichtstreifen fallen durch die Lamellen der Schiebewände auf das weisse Bettlaken.

Von der Decke hängt eine einfache Leuchte an einem schwarzen Kabel, das sich über der Wand in die Tiefen des dahinter liegenden Raumes windet. Ein schwacher Luftzug trägt das Kratzen eines frisch angespitzten Bleistifts ins Zimmer. Die Grenzen an der Schwelle zwischen individuellen und gemeinschaftlichen Räumen verschwimmen unter dem Betondach zu einem Ganzen.

Bad in der Casa Butanta

Brasilien, Sao Paulo; 1964;

Paulo Mendes da Rocha

Jasmin

Mohammadi

Modul:

Dozent:

Team:

Semester:

Raumgestalt

Lando Rossmaier

Luc Kummer

Tobias Lutz

Jasmin Mohammadi

Carlos Craveiro Reisinho

Bela Zwygart

6. Semester, Frühling 19